Himmelsdrachen

Von Zeit zu Zeit hege ich die eine oder andere kleine Obsession, die fast immer mit einem neuen Roman von mir zu tun hat.
Im Augenblick bin ich davon besessen, den Himmel nach Wolken abzusuchen, die einem Drachen ähneln. Und immer wieder habe ich dabei Glück – so wie Freitagabend am Seerhein.

Himmelsdrache

Viele Kulturen der Welt kennen den Drachen als mythologisches Wesen. In Europa ist der Drache fast immer ein furchterregendes, feuerspeiendes Ungeheuer.
Selten werden Drachen in unserem Kulturraum so niedlich dargestellt wie Grisu, der kleine Drache, der einfach kein Feuer spucken will, sondern davon träumt, Feuerwehrmann zu werden; als Kind habe ich die Serie geliebt. Weitaus häufiger gleichen sie Katla in Astrid Lindgrens «Die Brüder Löwenherz», die mir früher furchtbare Angst machte und monatelange Alpträume bescherte.
Und trotzdem liebe ich die Drachen von Daenerys Targaryen; ich warte sehnsüchtig auf den nächsten Band vom «Lied von Eis und Feuer» und zähle schon die Wochen bis zur 7. Staffel «Game of Thrones».

Einen weitaus größeren Bezug hatte ich jedoch immer zu den Drachen der chinesischen Mythologie: das Symbol des Kaisers und der Macht. Die Gottheit des Regens, die Harmonie und Wohlstand bringt; Herrscher über das Wetter, über Wasserfälle, Flüsse und Meere – ein Geschöpf des Himmels, der Luft und des Wassers.
Ein Glücksbringer.

Chinesische Handelskammer, Singapur

Während der Arbeit am «Botaniker» grub ich dann das kleine historische Detail aus, dass der Drache ursprünglich weiblich gewesen war. Genauso wie das Wasser in Flüssen und Seen und im Meer, genauso wie der Regen.

Bis ein Kaiser von China den Drachen und alles, was mit ihm zu tun hat, einfach männlich machte, damit er zu den Mythen passte, die er um sich selbst spann.

Eine historische Überlieferung, die so gut zu Lian, meiner schwertkämpfenden Heldin passte, dass ich ihr an einer Stelle des Romans diesen Gedanken mitgab.

Drachen und Meereswellen, Porzellan. Qing-Dynastie, Qianlong-Periode (1736-1795). Metropolitan Museum of Art, New York

Der Himmelsdrache am Freitag hat sich wirklich als Herrscher über das Wetter gezeigt, als Geschöpf der Luft und des Wassers, uns Wind und Regen gebracht.

Und wenn ihr das nächste Mal Wolken am Himmel seht, findet ihr darin vielleicht auch einen Drachen. Dieses Symbol männlicher Macht, das einmal weiblich gewesen war.
Diesen himmlischen Glücksbringer.

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Der Geisterbär

Sebastian bleibt stehen und blickt einem graubraunen Eichhörnchen nach, das in Stop-Motion einen Baumstamm hinaufklettert. Als er sich weiter umsieht, stellt er fest, dass er jetzt schon die Orientierung verloren hat und sein Zeitgefühl gleich mit. Ist er eine Stunde unterwegs oder mehrere oder schon fast einen ganzen Tag?
Nichts um ihn herum kann ihm diese Frage beantworten, und mit einem Blick auf seine Armbanduhr stellt er fest, dass sie irgendwann seit dem Abflug aus dem Küstenstädtchen stehengeblieben ist. Als hätte sie bereits vor der Zeitlosigkeit dieses Orts kapituliert.
Bei seiner Suche würden ihm auch keine Karte, kein Kompass etwas nützen. Nichts davon könnte ihm verraten, wo er den Bären findet. Niemand weiß, wo genau in diesen Wäldern er lebt. Dieser eigentlich schwarze Bär, der ein weißes Fell hat. Kein Eisbär. Auch kein Albino, dem die Farbpigmente fehlen. Sondern eine echte, eigene Unterart des Schwarzbären. Eine Genmutation aus der Eiszeit, die bis zum heutigen Tag einen von zehn schwarzen Bären zu einem Geisterbären macht, in manchen Gegenden hier sogar einen von dreien. Eine Laune der Natur. Eine Legende.
Man sagt, der Geisterbär verleiht nicht nur demjenigen, der ihm begegnet, Mut und Stärke. Er hat auch magische Kräfte: Immer, wenn der Geisterbär irgendwo gesichtet wird, soll Ungewöhnliches geschehen, Unmögliches wahr werden.
Sebastian muss diesen Bären finden.
Um jeden Preis.

aus: «Into the Woods»
in der Anthologie «Hoffnungsschimmer – Im Dunkel ein Licht»

Guardians of the Great Bear Rainforest

“The Raven left every tenth bear white to remind us of when the earth was covered in glaciers.” #ExploreCanada

Quelle: matadornetwork.com/tv/guardians-great-bear-rainforest/

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Wie aus einer anderen Welt: Das Leuchten der Pflanzen

Wir leben in einer Ära, in der fast alles entdeckt, erforscht und auch entzaubert zu sein scheint. Das habe ich besonders oft während der Arbeit an meinem «Botaniker» gedacht – denn vieles, was uns heute selbstverständlich ist, war im 19. Jahrhundert noch unbekannt oder unbewiesen. Und gerade auch Robert Fortunes Reisen durch China waren sowohl in geografischer, sozialer und kultureller, vor allem aber in wissenschaftlicher Hinsicht ein Aufbruch ins Neue, Unbekannte, Geheimnisvolle und Aufregende.

Doch es gibt sie noch – die kleinen Wunder, die einen staunen machen. Wie die Tatsache, dass Pflanzen fluoreszieren, von Craig Burrows sichtbar gemacht und in Fotografien eingefangen.

Pflanzen wie aus einer anderen Welt, mit einer ganz eigenen Magie.

Photographed under UV lights, Craig Burrows makes plants and flowers glow – PLAIN Magazine

These plants and flowers weren’t exposed to any sort of radiation, dubious spray chemicals or voodoo: they’ve been photographed by California-based Craig Burrows in their natural state of emitting fluorescence with the help of high-intensity UV lights. The rather obscure photography method Burrows uses is called UVIVF (ultraviolet-induced visible fluorescence), which makes use of a LED …

Quelle: plainmagazine.com/photographed-uv-lights-craig-burrows-makes-plants-flower-glow/

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