Kirschblütenzeit

 

Ivys Blick fängt sich an dem Hügel aus Blüten, den Moe bereits zusammengekehrt hat.
„Schade um diese Pracht“, murmelt sie.
„Sie werden so oder so schnell braun. Und es kommen noch genug nach. Wie hast du letzten Frühling dazu gesagt? Etwas Japanisches.“
Hanami“, erwidert Ivy. „Sich an der vergänglichen Schönheit der Blüten erfreuen. Oder aware. Das Gefühl, wenn man weiß, dass ein besonderer Augenblick nicht von Dauer sein wird. Wie die allerersten Tage des Frühlings, bis man das Grünen und Blühen als selbstverständlich hinnimmt. Die letzten Tage des Sommers, wenn schon etwas vom Herbst zu ahnen ist.“
Wie Moe hebt sie die Augen zu dem Gewölbe aus blühenden Kirschzweigen über ihnen, ein ätherisches Gebilde aus Farbe und Duft.
„Ich habe mich immer gefragt, warum ausgerechnet das Japanische solche Worte kennt. Für die Poesie des Kleinen, Wunderbaren. Für das, was so schnell wieder vergeht. Warum sind diese Worte in anderen Sprachen so selten?“
Moe gibt ein scharfes Auflachen von sich, in dem sein gutmütiges Wesen durchklingt; bei ihm ein Ausdruck von Zustimmung oder Verwunderung, manchmal beides zugleich.
Mit andächtiger Miene nimmt er mit seinem Besen wieder den gleichmäßigen Rhythmus auf und verwirbelt Blütenfontänen wie Konfetti. Wann immer Sonnenstrahlen sein dunkles Gesicht streifen, schimmert es auf wie gealtertes Kupfer. 
Moe hält inne und stützt sich auf dem Ende des Besenstiels ab.
„Vielleicht ist das so, weil es den meisten Menschen leichter fällt, solche Dinge nur zu umschreiben. Wenn es kein Wort dafür gibt, ist es nicht Teil unserer Welt. Dann kann man vergessen, dass nichts ewig ist.“

  • Die Hüterin der verlorenen Dinge, Kapitel 1

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Heute vor einem Jahr

Heute war ein sonniger und warmer Tag, voller Schmetterlinge und Bienen. Kaum zu glauben, aber vor genau einem Jahr war es so kalt, dass sogar Eis im Hafen von Konstanz trieb (was nur selten einmal vorkommt).
Damals brütete ich gerade über Katya, die im Eis lesen kann, und ihren Bruder Grischa, der ein Gespür für Wind und Wetter hat. Und mit ihren besonderen Gaben ziehen sie von Russland hinaus in die Welt des 19. Jahrhunderts, um ihr Glück zu machen.
Ein Jahr später, während der Frühling hier mit jedem Tag mehr Einzug hält, wird aus dem Exposé, das ich an jenen bitterkalten Tagen schrieb, gerade der erste Band ihrer Saga.

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Sneak peek 2019

Einen allerersten Vorgeschmack auf das Buchjahr 2019 gibt es jetzt schon auf der Website von Goldmann.

Die Eisbaronin

Die Eisbaronin

Russland 1822. Katya kann im Eis lesen. Farbe und Klang verraten ihr, wie es beschaffen ist – eine besondere Gabe, die sie mit ihrem Bruder Grischa verbindet. Beide haben große Träume …

Quelle: www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Eisbaronin/Nicole-C-Vosseler/Goldmann-TB/e486281.rhd

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Auf großer Fahrt

Heute vor 250 Jahren brach James Cook mit der Endeavour zu seiner ersten Weltumsegelung auf. Eine Entdeckungsreise, die botanische, astronomische, medizinische und nicht zuletzt geografische Erkenntnisse bringen sollte, Geschichte schrieb und die Welt veränderte. Ein Abenteuer, das mich seit meiner Teenagerzeit faszinierte, bevor ich mit 23 das Manuskript begann, aus dem einige Jahre später schließlich mein Debütroman «Südwinde» wurde.

Nathaniel Dance: Captain James Cook (1728-1779) via Wikimedia Commons

Genauso lange träumte ich davon, einmal den Ort zu besuchen, an dem Captain Cook 1779 auf Hawaii starb. Ein Traum, den ich mir vor vier Jahren erfüllte, als ich in der Kealakekua Bay zu dem Monument schwamm, das heute an seinen gewaltsamen Tod dort erinnert.

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Doppelpack

Es ist immer ein Glücksmoment, wenn die Übersetzungen meiner Romane in der Post sind. Besonders, wenn gleich zwei davon in einer Woche ankommen: «Jenseits des Nils» auf Rumänisch und «Zeit der wilden Orchideen» auf Russisch.
(Letzteres übrigens mit der Altersempfehlung 18plus. Das lässt mich jetzt ehrlich rot werden.)

 

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