Wolkengucken

«Eine Gummiente.»
Ivys Blick folgt Jacks Zeigefinger an den Himmel hinauf. Erst als sie sich neben ihm ausstreckt, schält sich eine Form aus den Wolken heraus.
«
Ein Hund», widerspricht sie. «Ein Boxer.»
«
Jetzt schon.»
Ein leises Lachen perlt zwischen ihnen auf und ebbt sanft wieder ab. (…)
Jetzt ist sie es, die den Finger hebt und eine langgezogen mäandernde Wolke nachzeichnet.
«
Schau. Ein Drache.»
Das Gras neben ihr raschelt. Wie ein leiser Windhauch ist es, als Jacks Kopf ihren streift, ein Kribbeln bis in ihren Bauch hinab.
«
Jetzt sehe ich ihn auch.»
In Zeitlupe windet sich der Drache über den Himmel, spreizt seine Klauen und schließt sie wieder; das Rauchfähnchen, das er dabei ausspeit, zerfasert allmählich und zergeht, genau wie der Drache selbst.
«
Ich bin neugierig, Ivy», hört sie Jack flüstern. «Ich würde gerne deine Fotos sehen. Deinen Blick auf New York. Irgendwann einmal. Wenn du willst.»
Während sich Stimmen und Schritte durch den Park nähern und wieder entfernen und die Wolken über sie hinweggleiten, muss Ivy daran denken, dass in jeder Sekunde, die sie hier liegt, Millionen ihrer Zellen absterben und sich gleichzeitig fast genauso viele wieder bilden und sich währenddessen die Erde dreißig Kilometer weiter um die Sonne gedreht hat, die ihrerseits um ihre eigene Achse rotiert.
Alles ist in Bewegung, verschiebt und verändert sich, subtil und fließend, und dieses eine Mal stemmt Ivy sich dem nicht entgegen.
Sie nickt.

Die Hüterin der verlorenen Dinge, Kapitel 14

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Geschichten vom Verlorengehen und Gefundenwerden

Die Hüterin der verlorenen Dinge: Das ist Ivy Silvergren, die den merkwürdigen, bizarren, besonderen Dingen, die sie auf den Straßen New Yorks aufliest, eine eigene Geschichte schenkt.
Drei dieser Geschichten und einen kleinen Einblick in die Arbeit am Roman gibt es jetzt auf der Amazon-Seite.

Die Hüterin der verlorenen Dinge auf Amazon

 

 

 

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Leserundenzeit

Im Bücherforum von Literaturschock gehen wir dieses Jahr gleich zwei Mal leserundend auf große Fahrt.

Ab 30. August zieht es uns mit der «Eisbaronin» von Russland über die Meere des Nordens nach Hamburg und in die Tropen:

Leserunde “Die Eisbaronin – Bis ans Ende der Welt” auf Literaturschock

Im Oktober oder November dann (der genaue Termin wird noch festgelegt) reisen wir mit der «Hüterin der verlorenen Dinge» durch den Osten der USA, auf den Spuren von Ivy Silvergrens verschwundener Mutter: 

Leserunde “Die Hüterin der verlorenen Dinge” auf Literaturschock

Mitreisende willkommen!

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Zurück aus Hamburg

Wieder zu Hause. Blasen an den Füßen, nachdem ich kilometerweit in den Schuhen meiner Romancharaktere gegangen bin, Kopf und Herz voll von frischen Eindrücken, Bildern und Gedanken. Mit Recherchematerial, etwas Nostalgie, meinem Lieblingskaffee und diesem schönen tibetischen Kerl, der über das neue Manuskript und neue Ideen wachen soll.

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Pfingsten

Dieses Wochenende, während eines kleinen Roadtrips auf die Schwäbische Alb. Ich staunte nicht nur einmal mehr darüber, wie das Tränende Herz, ursprünglich aus China und von «meinem» Botaniker Robert Fortune Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa gebracht, so typisch für einen deutschen Bauerngarten wurde.

Ich dachte auch darüber nach, wie sehr die kleinen Zungen oder Flämmchen (deshalb manchmal auch Flammendes Herz genannt) zu Pfingsten passen, für mich das Fest der Inspiration und der Kreativität, von frischem Wind und Neuanfängen. Besonders in diesem Jahr, über den ersten Seiten des nächsten Romans, während ich gleichzeitig über neuen Projekten brüte.

Die Kraft der Schöpfung, in jeder Hinsicht.

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