Buchnostalgie

Über die Jahre habe ich einige Romane von Herman Wouk gelesen, aber dieser hat einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Als ich ein Teenie war, gehörte er zu meinen Lieblingsromanen und denen meiner Mutter, unzählige Male haben wir diese Ausgabe von 1983 aus der Stadtbibliothek ausgeliehen. Meistens im Sommer, so kommt es mir im Rückblick vor. Sommer, die in meiner Erinnerung immer endlos und heiß sind und in denen wir manchmal bis in die Nacht hinein über Marjorie Morningstar diskutierten. Ohne dass wir uns kaum je in einem Punkt einig wurden, wir waren wie Feuer und Wasser.

Als ich achtzehn war, starb meine Mutter, und nicht lange danach konnte ich dieses – unser – Exemplar auf dem Bücherflohmarkt unserer Stadtbibliothek ergattern.

Ich habe es danach nie wieder gelesen. Aber bis heute gehört es zu meinen kostbarsten Schätzen.

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Von Menschen und Flügeln

Ein Fundstück, das ich vor einigen Monaten fotografiert habe, fasziniert und seltsam berührt von dieser grausamen Schönheit.

Manchmal fühlt sich das Leben so an. Die Flügel abgerissen, an einem Tiefpunkt gestrandet.

Dann müssen wir darauf vertrauen, dass unsere Flügel nachwachsen und uns in neue Höhen tragen.

Und das werden sie.

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Kirschblütenzeit

 

Ivys Blick fängt sich an dem Hügel aus Blüten, den Moe bereits zusammengekehrt hat.
„Schade um diese Pracht“, murmelt sie.
„Sie werden so oder so schnell braun. Und es kommen noch genug nach. Wie hast du letzten Frühling dazu gesagt? Etwas Japanisches.“
Hanami“, erwidert Ivy. „Sich an der vergänglichen Schönheit der Blüten erfreuen. Oder aware. Das Gefühl, wenn man weiß, dass ein besonderer Augenblick nicht von Dauer sein wird. Wie die allerersten Tage des Frühlings, bis man das Grünen und Blühen als selbstverständlich hinnimmt. Die letzten Tage des Sommers, wenn schon etwas vom Herbst zu ahnen ist.“
Wie Moe hebt sie die Augen zu dem Gewölbe aus blühenden Kirschzweigen über ihnen, ein ätherisches Gebilde aus Farbe und Duft.
„Ich habe mich immer gefragt, warum ausgerechnet das Japanische solche Worte kennt. Für die Poesie des Kleinen, Wunderbaren. Für das, was so schnell wieder vergeht. Warum sind diese Worte in anderen Sprachen so selten?“
Moe gibt ein scharfes Auflachen von sich, in dem sein gutmütiges Wesen durchklingt; bei ihm ein Ausdruck von Zustimmung oder Verwunderung, manchmal beides zugleich.
Mit andächtiger Miene nimmt er mit seinem Besen wieder den gleichmäßigen Rhythmus auf und verwirbelt Blütenfontänen wie Konfetti. Wann immer Sonnenstrahlen sein dunkles Gesicht streifen, schimmert es auf wie gealtertes Kupfer. 
Moe hält inne und stützt sich auf dem Ende des Besenstiels ab.
„Vielleicht ist das so, weil es den meisten Menschen leichter fällt, solche Dinge nur zu umschreiben. Wenn es kein Wort dafür gibt, ist es nicht Teil unserer Welt. Dann kann man vergessen, dass nichts ewig ist.“

  • Die Hüterin der verlorenen Dinge, Kapitel 1

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Sneak peek No. 2

Nach dem ersten Band der Eisbaronin-Saga im August wird mit dem Herbst «Die Hüterin der verlorenen Dinge» in die Welt hinausziehen: Großstadtmärchen, Roadmovie, Coming-of-Age-Story.

Ivy Silvergren ist zehn, als ihre Mutter spurlos verschwindet: Lila Glass, in jungen Jahren eine ebenso gefeierte wie umstrittene Dichterin. Ivy und ihr Vater, ebenfalls Schriftsteller und mit bewegter Vergangenheit, bleiben mit nichts als Fragen zurück, auf die sie keine Antworten finden.
Dreizehn Jahre später hat Ivy aus dem Suchen und Finden einen Beruf gemacht und in Straßenkehrer Moe einen guten Freund gefunden. Ivys heimliche Leidenschaft gehört seltenen Wörtern – und den verlorengegangenen Dingen, die sie in den Straßen New Yorks aufliest und ihnen eine eigene Geschichte schenkt: ein gläserner Wal, ein präparierter Kugelfisch, eine Ballerina aus Porzellan …
Als ihr Vater wieder heiraten will und Ivy sich Jack, dem Pflastermaler, vorsichtig zu öffnen beginnt, holt der Verlust ihrer Mutter sie wieder ein.
Ivy bricht zur wichtigsten Spurensuche ihres Lebens auf – nach ihrer Mutter und dabei unweigerlich nach sich selbst.

Eine Geschichte von Müttern, Vätern und ihren Töchtern, über die Poesie der kleinen Dinge und das Glück des Augenblicks.

E-Book ab 11. September, Print ab 9. Oktober.

HarperCollins Germany: Die Hüterin der verlorenen Dinge

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Heute vor einem Jahr

Heute war ein sonniger und warmer Tag, voller Schmetterlinge und Bienen. Kaum zu glauben, aber vor genau einem Jahr war es so kalt, dass sogar Eis im Hafen von Konstanz trieb (was nur selten einmal vorkommt).
Damals brütete ich gerade über Katya, die im Eis lesen kann, und ihren Bruder Grischa, der ein Gespür für Wind und Wetter hat. Und mit ihren besonderen Gaben ziehen sie von Russland hinaus in die Welt des 19. Jahrhunderts, um ihr Glück zu machen.
Ein Jahr später, während der Frühling hier mit jedem Tag mehr Einzug hält, wird aus dem Exposé, das ich an jenen bitterkalten Tagen schrieb, gerade der erste Band ihrer Saga.

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