Happy Birthday, Robert Browning

Heute vor 206 Jahren geboren: Robert Browning.

Sein Gedicht „My Last Duchess“ war eine Inspiration für meine „Farben der Erinnerung“; es ist einer der Eckpfeiler des Romans und eine Spur, die Gemma und Sisley auf ihrer Reise verfolgen.

Robert Browning war mir lange zuvor schon ein Begriff gewesen – als eine Hälfte des legendären Dichterpaares, das er mit seiner Frau Elizabeth Barrett bildete. Eine Ikone romantischer Liebe, fast zu dramatisch, zu überwältigend, um wahr zu sein.

Die verschränkten Hände von Elizabeth Barrett und Robert Browning
Skulptur von Harriet Goodhue Hosmer
via The Metropolitan Museum of Art (Public Domain, licensed under CC0 1.0 Universal)

Ein Mythos, an dem ich mich rieb und der es mir sehr lange sehr schwer machte, mich ihnen zu nähern. Vor allem Elizabeth, die ich als Person schwierig fand, ihre Gedicht hingegen zugänglich, aber für meinen Geschmack zu schwelgerisch. Brownings Gedichte wiederum fand ich interessant, aber oft sperrig und manchmal verstiegen.

Für den Roman hatte ich mir in den Kopf gesetzt, eine deutsche Version von „My Last Duchess“ passagenweise den Kapitelns aus Lucrezias Sicht voranzustellen – und musste zu meiner Überraschung feststellen, dass es keine offizielle deutsche Übersetzung gibt.
Ich fand überhaupt keine Übersetzung – und sobald ich mich daran machte, Brownings Verse ins Deutsche zu übertragen, begann ich zu ahnen, warum.

Die Zeilen sind derart komplex aufeinander geschichtet, derart filigran kombiniert, dass ein adäquates Übertragen in das Deutsche praktisch unmöglich ist. Versucht habe ich es trotzdem – und darüber Brownings Stil zu schätzen gelernt.
Seine Poesie ist eine, auf die man sich einlassen muss und die gerade dann ihre ganze Schönheit, ihre ganze Tragweite entfaltet, wenn man sie Zeile für Zeile auf sich wirken lässt.
Kleine Juwelen, voller Weisheit und Inspiration.

Seine Arbeit war es auch, die mir den Zugang zu ihm ermöglichte. Seine Erfahrungen mit Erfolg und Scheitern, seine Träume und Alltagswirklichkeit, seine Gedanken und Gefühle zum Schreiben ähnelten sich meinen und deckten sich manchmal sogar. Und zu meiner Überraschung erkannte ich mich auch in diesen Gedanken und Erlebnissen Elizabeths wieder – und das war der Punkt, an denen der Mythos für mich schließlich schmolz und die Menschen dahinter hervortraten. Und über diese Menschen, mit ihren Schwächen und Träumen und Ängsten, begann ich dann zu schreiben.

Gemma hätte auch bequem von zu Hause aus die digitalen Versionen dieser Briefe einsehen können. Aber hier ist es, als ob seine Stimme durch den Raum vibriert, während Gemma in den Originalen liest.
Die Stimme des alten Mannes auf den letzten Fotografien, weißbärtig und rundlich wie Santa Claus. Klarer noch als die Version, die Gemma als Audiodatei im Internet gefunden hat, 1889, nur acht Monate vor dem Tod des längst berühmten Dichters, von Edisons Phonographen aufgezeichnet. Flach und verrauscht klingt sie da, brüchig wie Tonaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg, und gerade dadurch seltsam nahe. Als ob das viktorianische Zeitalter, so fern, so vergangen, überraschend an die Tür zur Gegenwart klopft.

Nachzuhören ist diese Aufnahme auf der Seite der Paris Review:

The Sound of a Voice That Is Still

The Sound of a Voice That Is Still

Listen to a recording Browning reciting “How They Brought the Good News from Ghent to Aix.”

Quelle: www.theparisreview.org/blog/2015/05/07/the-sound-of-a-voice-that-is-still/

 

 

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