Pfingstrosenzeit

Da waren sie. mudan.
Irgendwo im Gedärm der Stadt, wo übelriechende Rinnsale über das Pflaster liefen. Wo die Häuser sich so weit aufeinander zu neigten, dass nur dünne Streifen Licht in die Gassen fielen und sich der Wind schneidend hindurchpresste.
Strauchpäonien.
Hinter einer baufälligen Fassade, vor der es nach ranzigem Fett und Unrat stank. Jenseits eines Hofs mit einem Schweinepferch und eifrig pickenden Hühnern. Auf der anderen Seite einer Mauer, die auf ihrem krummen Rücken Jahrhunderte zu tragen schien.
Paeonia suffruticosa.
Buschig und hochgewachsen, fast schon kleine Bäume, und in prachtvoller Blüte stehend. In Schattierungen von leuchtendem Pink und sattem Purpur, Pfirsichfarbe und Korallenrot. Von einem blassen Rosa, das bläulich angehaucht war. Reinstes Weiß, zur Blütenmitte hin golden auslaufend.
Farben, die den kleinen Innenhof erleuchteten, irgendwo tief in dieser grauen Stadt. Ein Garten inmitten der weiten Steinwüste, wohl kaum größer als zwanzig auf zwanzig Schritte, die Luft darin wie frischgewaschen und süß, ähnlich feuchtem Herbstlaub oder überreifem Obst.
Fortune konnte der Versuchung nicht länger widerstehen. Zwischen Daumen und Zeigefinger ließ er die Blütenblätter einer Päonie hindurchgleiten, die ihn an die Schwingen eines Schwans erinnerten. Bestimmt gab es selbst in ganz China keine Seide, die sich damit vergleichen konnte.

Der englische Botaniker, Kapitel 19

Die Pfingstrose oder Päonie ist eines der ältesten Blütensymbole Asiens, zusammen mit der Pflaumenblüte sogar das traditionelle florale Symbol Chinas. Die Königin aller Blumen und die Blume des Kaisers. Die Blume, die Glück und Reichtum verspricht und Sinnbild für die Schönheit der Frau.

Päonien, Yun Shouping (1633-1690)

Die Formen und Farben der Päonien, die zurzeit so prächtig in unseren Gärten blühen, gehen auf die Päonien zurück, die Robert Fortune in China gefunden und mit nach Europa gebracht hat.

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